ich steine, du steine
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Oft tragen die wundervollsten Menschen die schwersten Schicksale.

Da will man niemanden mehr an sich ranlassen - und dann kommst du! Ich war sowas von mich auf dich vorbereitet. Eigentlich habe ich dich ja auch nur kennengelernt, weil Alex so ein Idiot war. An dieser Stelle: Danke, du Depp! Tine hatte mir deinen und Ricos Nick gesagt, weil sie sich solche Sorgen um Alex machte. Ich schreibe normalerweise keine Fremden an, aber für meine Schwester tue ich nahezu alles. Dich anschreiben auch.
 
Also setzte ich mir einfach mal fremde Menschen auf meine Freundesliste und gammelte, weil sie nicht on konnte und ich ihr helfen wollte. Dafür hat man ja schließlich große Schwestern. Dann bist du on gekommen und ich wusste erstmal überhaupt nicht, was ich machen sollte. "Ich kenne ihn doch gar nicht", dachte ich, "Ich kann ihn nicht einfach fragen. Der denkt, dass ich spinne." Mir fiel meine Tine ein und dann war es mir egal, wie komisch das rüberkommen würde. Ich wollte nur nicht, dass sie weint. "Ähm, hey... du kennst mich nicht und ich störe auch nicht lange, aber... weißt du, wo Alex ist? Bitte."
 
Etwas in der Art waren meine ersten Worte an dich. Die ersten Worte von vielen, aber das wussten wir damals noch nicht. Was mich noch heute am meisten fasziniert ist, dass du dich überhaupt nicht darüber gewunder hast. Du hast erzählt, dass Alex die ganze Nacht bei dir gewesen war und dass du Probleme hattest. Ich habe kurz überlegt, ob ich dich danach fragen soll, und habe es dann einfach gemacht. Ich habe dir auch gesagt, dass es mich nicht wundern würde, wenn du nicht mir nichts erzählst, weil du mich ja eigentlich nicht kennst. „Du würdest mich für irre halten, wenn ich dir das sagen würde“, hast du gemeint. Es war wirklich erstaunlich, ich bin mir fast wichtig vorgekommen in diesem Moment. Als ob du dir Gedanken darum gemacht hättest, was ich dachte. Ich sagte dir, dass ich dich nicht verurteilen werde, egal wie verrückt du bist, und das war auch so. Dann erzähltest du mir von deinem Leben, deinen Problemen, und ich las ganz genau.
 
Von deiner Kirchengeschichte, deiner Familie und ein bisschen von deiner Ex. Dass du eine Menge Ärger am Hals hast. Ich habe dich viel gefragt, weil ich immer mehr über dich wissen wollte, und du hast auf alles geantwortet. Du hattest es nie leicht, hattest eine Menge Pech und warst unglücklich. So haben wir Stunden über dich geredet und  mich hat jede Einzelheit wirklich interessiert. Du warst so echt und ganz anders als die meisten Menschen, die ich kannte. Die Erwachsenen, die "großen Leute", haben größtenteils eine ziemlich berechnende Art und die hast du kein Stück. Du hast dich nicht danach gerichtet, ob etwas gut für dich ist, und an Dingen festgehalten, die schlecht für dich waren. Ich bewundere solche Menschen, weil sie selten sind. Du lebst, fühlst, denkst und liebst einzigartig - das merkt man dir an, deshalb konnte ich dich gleich gut leiden. Irgendwann musstest du gehen und mir ist aufgefallen, dass ich nicht darauf geachtet hatte, wie spät es war. Ich wäre fast umgefallen, als ich auf die Uhr geguckt habe. Ich habe dich gebeten, auf dich aufzupassen, und meinte das ernst. Danach habe ich Tine angerufen und ihr erzählt, wo Alex gesteckt hatte. Ich habe noch viel darüber nachgedacht, wie man dir helfen kann, und mich gefragt, ob wir wohl nochmal schreiben würden. Zugegeben, ich hatte dich irgendwie ein wenig gern. Wenn mich jemand damals gefragt hätte, was ich von dir halte, hätte ich wohl antworten müssen, dass du zu lieb für die Welt bist und dass jemand auf dich aufpassen sollte, weil du dir viel zuviel antust.
29.4.11 01:26


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